Christian I. Peintner
29. November 2026, ab 10.30 Uhr
„Retrospektive“
Günter Köllemann führt durch sein über 40-jähriges literarisches Schaffen, von den ersten im Radio gelesenen Gedichten 1983
bis zu seinem Beitrag zum 1. Wiener Grabredenwettbewerb 2026.
Er liest veröffentlichte Gedichte, Kurzprosa, bisher nicht Publiziertes.
Dazu erzählt er von seinen Erfahrungen im Literaturbetrieb, seinen anfänglichen Erfolgen und wie es seit 2018 wieder richtig produktiv zugeht.
SEE-ATELIER, Kirchstraße 22, Bregenz.
Weitere Termine werden hier zuerst angekündigt.
Ausstellungs- und Veranstaltungsanfragen:
info@peintner-art.com
Weitere Termine werden hier zuerst angekündigt.
Ausstellungs- und Veranstaltungsanfragen:
info@peintner-art.com
Diese Frage stand im Mittelpunkt der Veranstaltung DAS PROTOKOLL am 1. Oktober im TiK Dornbirn. Gezeigt wurde meine künstlerische Rekonstruktion (21 Min.) eines Sprechtag vor der Kunstkommission Film des Landes Vorarlberg aus dem Jahr 2023.
Die Veranstaltung wurde von Kurt Bereuter moderiert; Claudia Voit, Vorständin der Kulturabteilung, war erfreulicherweise anwesend. Im Mittelpunkt standen Förderentscheidungen, Zuständigkeiten, Beurteilungskriterien und die Frage, wie Kunstschaffende die Ablehnung eines Projekts nachvollziehen können.
Einige Aussagen aus der Diskussion bedürfen der Richtigstellung. Vor allem aber bleiben grundsätzliche Fragen offen, die für ein transparentes und nachvollziehbares Förderverfahren entscheidend sind.
Wie können alle Kunstschaffenden wirksam vertreten werden? Wie lassen sich abgelehnte Förderansuchen transparent dokumentieren? Und welche Konsequenzen zieht die Kulturpolitik aus der vom Land beauftragten FHV-Studie zu den Einkommens- und Arbeitsbedingungen von Kunstschaffenden sowie aus den Empfehlungen der Volksanwaltschaft in ihrem Bericht von 2025? Letztere sind seit 19. Oktober 2026 inzwischen auch Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage der SPÖ (Nr. 29.01.299).
Transparenz, faire Interessenvertretung und eine existenzielle Absicherung sind keine Gegensätze zur Kunstförderung, sondern Voraussetzungen für ihre nachhaltige Weiterentwicklung.
Meine Filmprojekte reiche ich mit dem Formular „FILM Kultur_Wirtschaft_Tourismus“ ein. Der Schriftverkehr bestätigt, dass meine Ansuchen der Kunstkommission Film vorgelegt wurden; 2023 fand auch mein Sprechtag vor dieser Kommission statt. Nach Darstellung von Frau Voit reiche ich damit seit Jahren das falsche Formular ein – obwohl es keine andere Fachkommission gibt, die Filmprojekte beurteilt. Umso mehr stellt sich die Frage, welcher fachlich geeignete Förderweg für unabhängige Filmprojekte überhaupt vorgesehen ist.
Frau Voit verwies auf drei mir gewährte Förderungen und erweckte damit den Eindruck, auch meine Filmprojekte seien bereits gefördert worden – zuletzt im vergangenen Jahr. Tatsächlich handelte es sich um zwei COVID-19-Unterstützungen in Höhe von jeweils 2.000 Euro sowie ein Arbeitsstipendium über 2.000 Euro für die Weiterentwicklung einer Ombudsstellen-App im Bereich Bildende Kunst und Medien. Für dieses Vorhaben hatte ich bewusst dort um Projektförderung angesucht; gewährt wurde mir jedoch ein Arbeitsstipendium.
Für meine Filme habe ich bislang keine Landesförderung erhalten.
Unabhängige Autorenfilme und kommerzielle Produktionen verfolgen unterschiedliche künstlerische und wirtschaftliche Ziele. Entscheidend ist deshalb, wie die im Förderinstrument vorgesehenen kulturellen, wirtschaftlichen und touristischen Kriterien konkret angewendet und gegeneinander abgewogen werden.
Frage an Frau Voit: Was müßte Herr Peintner denn machen, damit er Förderung erhält „Mir einfach mit dem richtigen Formular einreichen!“
Frau Voit betonte, meinen Projekten fehle der erforderliche wirtschaftliche und touristische Mehrwert. Zugleich erklärte sie, künstlerische Arbeit werde erstmals gefördert. Wenn künstlerische Arbeit gefördert werden soll, warum werden eigenständig entwickelte Filmproduktionen gerade an fehlendem wirtschaftlichem und touristischem Mehrwert gemessen?
Daraus ergibt sich eine zentrale Frage: Welchen Stellenwert hat die künstlerische und kulturelle Eignung im Förderinstrument „FILM Kultur_Wirtschaft_Tourismus“ – und wie wird sie gegenüber wirtschaftlichen und touristischen Kriterien gewichtet?
Ebenso muss nachvollziehbar sein, welche Rolle die Kunstkommission Film bei der fachlichen Beurteilung spielt, welchen Beitrag die Kulturabteilung leistet und in welcher Instanz die maßgebliche Förderentscheidung getroffen wird.
Sobald Kunstschaffende Fragen zu Förderentscheidungen stellen, wird regelmäßig darauf verwiesen, dass kein Rechtsanspruch auf Förderung besteht – obwohl ein solcher gar nicht geltend gemacht wird. Es geht um faire und nachvollziehbare Verfahren: Eine Absage sollte erkennen lassen, nach welchen Kriterien ein konkretes Projekt beurteilt wurde und welche Erwägungen für die Entscheidung ausschlaggebend waren.
Frau Voit führte aus, die sieben Kunstkommissionen würden für eine Funktionsdauer von max. drei Jahren bestimmt und anhand bestimmter Kriterien entscheiden. Doch gerade die entscheidenden Fragen bleiben offen:
Kriterien: Wie werden künstlerische und kulturelle Qualität, wirtschaftlicher Nutzen und touristische Bedeutung konkret bewertet und gewichtet?
Zuständigkeit: Welche fachliche Empfehlung gibt die Kunstkommission Film ab? Welche Rolle spielt die Kulturabteilung, der Kulturbeirat oder Andere, und auf welcher Ebene fällt die endgültige Förderentscheidung? Der allgemeine Hinweis, dass sich die Politik weitgehend an den Empfehlungen der Kunstkommissionen orientiert, erklärt nicht den Einzelfall.
Dokumentation: Frau Voit erklärte, die Empfehlungen der Kunstkommissionen würden an das zuständige Regierungsmitglied, bzw. bei höheren Fördersummen an die Landesregierung weitergegeben, die letztlich politisch entscheide. Sie bezeichnete das Vorarlberger System als eines, um das andere beneiden würden (s. Ergänzung dazu mein Text ganz unten: Befriedigung durch Ablage).
Unabhängigkeit, Transparenz und Vertrauen: Wie unabhängig und transparent können die Kunstkommissionen entscheiden, wenn sich Zuständigkeiten und Einflussmöglichkeiten zwischen Kommissionen, Kulturabteilung, Kulturbeirat und dem Dreierrat Kultur–Wirtschaft–Tourismus überschneiden? Bedienstete der Kulturabteilung üben in mehreren dieser Bereiche Funktionen aus und wirken an Förderprozessen mit. Hinzu kommen Regelverstöße bei der Dauer der Funktionsperiode von Kommissionsmitgliedern, die der Volksanwalt beanstandete.
Dies belegt noch keine Einflussnahme auf einzelne Förderentscheidungen, wirft aber Fragen zur Einhaltung bestehender Grenzen und zur Kontrolle ihrer Einhaltung auf – besonders, wenn Förderansuchen wegen bestimmter Formulare oder fehlender Sichtungslinks problematisch sein sollen. Entsteht hier der Eindruck, dass unterschiedliche Maßstäbe gelten und kritische Nachfragen mit ausweichenden Argumenten beantwortet werden?
Unabhängigkeit und Transparenz sind keine Selbstauskünfte. Nachvollziehbare Verfahren und überprüfbare Dokumentation nach außen müssen erkennbar sein.
Für mein Projekt „NIEMANDSLAND“ erhielt ich nach längerem Hin und Her ein als vollständig bezeichnetes Protokoll der Entscheidungsfindung. Die darin angeführte Begründung lautet ungekürzt: „weder künstlerisch, qualitativ noch touristisch oder wirtschaftlich relevant für Vorarlberg“.
Wie wurde diese pauschale Beurteilung fachlich begründet? Welche Protokolle, Bewertungsbögen oder sonstigen Aufzeichnungen dokumentieren die konkrete Prüfung und die maßgeblichen Entscheidungsgründe? Und wie können Antragsteller diese Unterlagen einsehen? Ohne eine nachvollziehbare Dokumentation bleibt offen, wie die fachliche Empfehlung zustande kam und wie die abschließende politische Entscheidung begründet wurde.
Ausgangslage: Mein Film „Sprechtag“ behandelt die Arbeit der Kunstkommission Film selbst. Damit stellte sich früh die Frage, wie eine mögliche Befangenheit ausgeschlossen und eine unabhängige fachliche Beurteilung sichergestellt werden könnte.
Der Weg: Die Filmkommission nahm das Projekt von der Tagesordnung. Statt einer internen Weiterleitung sollte ich es mit einem anderen Formular bei „Bildende Kunst und Medien“ einreichen. Der dafür angeführte Grund erwies sich als falsch; ob diese Kommission für mein Filmprojekt fachlich geeignet war, blieb ungeklärt.
Das Ergebnis: Eine nachvollziehbare fachliche Begründung für die Ablehnung durch „Bildende Kunst und Medien“ blieb aus. Für die Kulturabteilung war der Fall damit erledigt. Eine erneute Beurteilung durch eine möglicherweise geeignetere Jury war faktisch versperrt. Der Weg zu einer anschließenden Bundesförderung war blockiert.
Frau Voits Hinweis, ich hätte mit dem anderen Formular aber dann prompt eine Förderung erhalten, führt in diesem Zusammenhang in die Irre: Es ging um ein Arbeitsstipendium von 2.000 Euro für die Weiterentwicklung einer App – nicht um eine Förderung meines Filmprojekts.
Das eigentliche Problem: Statt eine mögliche Befangenheit zu klären und eine alternative fachliche Beurteilung zu ermöglichen, musste ich eine andere Zuständigkeit akzeptieren, ohne dass mir deren fachliche Grundlage nachvollziehbar erläutert wurde. Die Diskussion über das richtige Formular lenkt damit vom eigentlichen Problem ab: Warum wurde keine geeignete fachliche Beurteilung sichergestellt?
§ 6 AVG regelt die Weiterleitung von Angelegenheiten an die zuständige Stelle. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum eine interne Klärung der Zuständigkeit nicht erfolgte.
Da die Bundesförderung nur ergänzend greift - eine Landesförderung ausbleibt, hatte diese Entscheidung weitreichende Folgen: Mit der Ablehnung durch das Land war für mein Projekt faktisch auch der Weg zu einer anschließenden Bundesförderung versperrt. Damit wird die Frage der Zuständigkeit zu mehr als einer bloßen Formalität: Sie kann darüber entscheiden, ob ein Filmprojekt überhaupt noch eine realistische Förderperspektive hat.
Eine exklusive Vorführung meines Films „C.O.S. – Code of Silence“ wurde der Kunstkommission angeboten. Damit hätten die künstlerische Gestaltung und die fachlich-technische Umsetzung unmittelbar am Werk beurteilt werden können.
Der Film ist ein unabhängig produzierter, 3D-Animations-Langfilm im Arthouse- und Noir-Genre. Er entstand in rund 3.000 Arbeitsstunden über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren in Eigenproduktion.
Was bei der Beurteilung berücksichtigt werden sollte: Bereits die Online-Verfügbarkeit eines Films kann – abhängig von den jeweiligen Einreichungsbedingungen – seine Zulassung zu bestimmten Filmfestivals beeinträchtigen. Deshalb sind meine Filme auch nicht passwortgeschützt online abrufbar und auch nicht über die Vorarlberger Landesbibliothek verfügbar. Eine exklusive Sichtung durch die Kunstkommission hätte hingegen eine unmittelbare fachliche Beurteilung ermöglicht, ohne den Film zugänglich zu machen.
Warum werden fehlende Sichtungslinks dennoch als Grund für eine Zurückweisung wegen Unvollständigkeit herangezogen, wenn eine exklusive Sichtung angeboten wurde?
Das Beispiel meines Films „NIEMANDSLAND“ verdeutlicht die wirtschaftliche Dimension unabhängiger Filmproduktionen. Das Projekt hatte ein Gesamtbudget von 185.180 Euro; beantragt wurden 37.000 Euro Landesförderung. Nachdem diese Förderung ausblieb, realisierte ich diesen abendfüllenden Arthouse-Film in zweijähriger Eigenproduktion – ohne Landesförderung.
Damit bin ich mit einem umfangreichen künstlerischen Filmprojekt in Vorleistung getreten, ohne zuvor die Möglichkeit gehabt zu haben, eine Arbeitsprobe unter den vorgesehenen Produktionsbedingungen zu erstellen.
Bemerkenswert ist, dass eine positive Filmkritik zu „NIEMANDSLAND“ im Förderverfahren als Argument gegen das Projekt herangezogen wurde, obwohl nach meinem Kenntnisstand niemand aus der Kulturabteilung oder der Kommission den Film selbst gesehen hatte. Der Autor der Kritik - der selbst einmal Teil dieser Kommission war - bestätigte mir danach, dass man sich bei ihm nach der Premiere erkundigt habe. Er habe dabei klargestellt, dass es sich um eine gute Premiere gehandelt habe – was auch aus seiner veröffentlichten Kritik hervorgehe. Wie wurde die Kritik dennoch als Argument gegen das Projekt gewertet? Meine Beschwerde dazu ist bis heute unbeantwortet.
Wie konnte das geschehen? Weil mir keine ausreichende Dokumentation des damaligen Sprechtages zur Verfügung stand, entstand der Film DAS PROTOKOLL, DASS ES NICHT GEBEN SOLLTE.
Ein Film kann mehr leisten als ein amtliches Protokoll: Er kann Gesprächsverläufe, Widersprüche und offene Fragen anschaulich machen. Er muss kein amtliches Dokument ersetzen, denn offensichtlich gibt es keines. Mein Film zeigt genau diese Lücke.
Die soziale Dimension der Kulturförderung
Die vom Land beauftragte FHV-Studie zeigte, dass etwa die Hälfte der Kunstschaffenden armutsgefährdet ist. Besonders betroffen sind Frauen und ältere Kunstschaffende.
Gerade von Frauen, die sich einem feministischen Anspruch verpflichtet fühlen und solche, die kulturpolitische Verantwortung mittragen, wäre zu erwarten, dass sie die prekäre soziale Lage von Künstlerinnen besonders ernst nehmen. Werden bestehende Förderstrukturen verteidigt, ohne ihre Auswirkungen auf jene zu hinterfragen, die von ihrer künstlerischen Arbeit kaum leben können, droht das Gegenteil dessen, was eine fortschrittliche Kulturpolitik erreichen sollte: Strukturelle Benachteiligung wird nicht überwunden, sondern zementiert.
Diese Verantwortung muss sich auch in konkreten Maßnahmen zeigen. Dazu gehören eine bessere soziale Absicherung von Kunstschaffenden und eine unabhängige Interessenvertretung, die auch jene erreicht, deren Anliegen bislang kaum Gehör finden (s. VN-Leserbrief vom 15. Oktober 2026).
Wenn es mit KURE ein konkretes Projekt zur Stärkung institutioneller Strukturen gibt, wie heißen dann jene Programme, die seit Veröffentlichung der FHV-Studie 2023 die individuelle soziale und wirtschaftliche Resilienz der Kunstschaffenden stärken? Zumindest in einem Punkt scheint die Kulturpolitik klarer geworden zu sein: Sie hält den entscheidenden Hebel selbst in der Hand – die Vergabe öffentlicher Fördermittel.
Die Frage ist daher nicht nur, wie einzelne Förderentscheidungen zustande kommen, sondern auch, welche kulturpolitischen Konsequenzen aus den bekannten sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen künstlerischer Arbeit gezogen werden. Ich kann dazu konkrete Beispiele aus der Praxis liefern. Diese Fragen betreffen weit mehr als nur meine eigenen Projekte. Sie berühren die Arbeitsbedingungen unabhängiger Kunst- und Filmschaffender – und letztlich das Vertrauen in öffentliche Förderverfahren.
Es geht nicht darum, eine Förderung nachträglich einzufordern. Es geht darum, öffentliche Förderentscheidungen fachlich zu begründen, nachvollziehbar zu dokumentieren und Antragstellern verständlich zu machen. Wo diese Grundlagen fehlen oder unzureichend bleiben, entstehen Interpretationsspielräume, die vermeidbar wären.
Öffentliche Förderentscheidungen müssen nicht positiv ausfallen. Sie sollten aber nachvollziehbar sein.
Bei all der Häme, die mir an diesem Premierenabend entgegenschlägt – und dem feinsinnigen Hinweis, dass ich als Künstler anscheinend nicht einmal in der Lage bin, ein Formular auszufüllen (das richtige Formular) –, wollen wir doch kurz zu den echten Fakten zurückkehren:
Es ist natürlich ein absolut faszinierendes Schauspiel. Während man in der Wirtschaftskammer für eine überschaubare Grundumlage mit einem milliardenschweren, vollautomatisierten Schutzschirm aus festangestellten Juristen und politischer Durchsetzungsmacht ausgestattet wird, darf ich als Allround-Künstler das Äquivalent dieses Beitrags an fünf verschiedene, rührend ehrenamtlich geführte Vereine überweisen. Mein exklusiver Gegenwert für diese finanzielle Gesamtleistung? Fünf separate Aufnahmejurys, die mein Portfolio prüfen, fünfmal die Chance auf eine Abweisung nach individuellen Statuten und am Ende ein liebevoll gestaltetes Infoblatt darüber, wie ich mich im Ernstfall ganz alleine durch das soziale Prekaritäts-Dickicht kämpfe. Ein wahrlich meisterhafter Deal.
Verwaltet und abgelegt: Und wenn wir offensichtlich für unsere einzigartige Lösung der Kunstförderung beneidet werden, dann sind das wohl vornehmlich die hiesige Bürokraten. Sie müssen geradezu fasziniert davon sein, wie man mit maximalem Verwaltungsaufwand so viel freie Kunst bis auf den absoluten Nullpunkt eindampfen und wegbürokratisieren kann.
Denn während man sich bei uns noch gegenseitig für das hundertste Antragsformular auf die Schultern klopft, gibt es in anderen Ländern – man mag es kaum glauben – tatsächlich Lösungen, die ernsthaft für die Kunstschaffenden und nicht für die Befriedigung der Verwaltung geschaffen wurden. Dort hat man verstanden, dass Existenzsicherung keine Vereinsmeierei ist. Der Blick über die Grenzen zeigt, wie echte Entlastung aussehen könnte, wenn nicht der Kontrollwahn, sondern das Schaffen im Vordergrund steht:
Das bedingungslose Grundeinkommen (Irland):
Irland hat den weltweiten Goldstandard für moderne Künstlerförderung gesetzt. Nach einem dreijährigen Pilotprojekt, das im Februar 2026 offiziell in ein dauerhaftes, gesetzlich verankertes System überführt wurde, finanziert der Staat ein echtes Basic Income for the Arts. Ausgewählte professionelle Kunst- und Kulturschaffende erhalten bedingungslos 325 € pro Woche (über 1.400 € im Monat). Das System läuft in dreijährigen Zyklen (Prüfung und Vergabe). Die wissenschaftliche Auswertung der dreijährigen Pilotphase zeigte überwältigende Fakten: Die psychische Gesundheit stieg, die künstlerische Produktivität explodierte – und für jeden investierten Euro flossen 1,39 € an die Gesellschaft zurück. Kein ständiges Rechtfertigen vor fünf Vereinen, sondern schlicht die staatlich garantierte Freiheit zu existieren.
Das „All-in-One“-Modell für soziale Absicherung (Deutschland):
Anstatt das Überleben an Dutzende Vereine zu delegieren, zieht das deutsche Modell über die gesetzliche Künstlersozialkasse (KSK) die Verwerter zur Verantwortung. Wer als freier Künstler tätig ist, zahlt exakt den gleichen ermäßigten Beitrag zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung wie ein Angestellter. Die restlichen 50 Prozent werden über eine gesetzliche Abgabe von jenen Unternehmen, Agenturen und Veranstaltern finanziert, die mit der Kunst Geld verdienen. Eine zentrale Schnittstelle sichert die gesamte Existenz, ohne dass der Künstler als simulierter Großunternehmer mit ruinösen Mindestbeitragsgrundlagen erdrückt wird.
Die zentrale Künstlerkammer mit staatlichem Auftrag (Frankreich):
Frankreich bündelt die berufsständische Erfassung extrem straff über Institutionen wie La Maison des Artistes. Die Mitgliedschaft ist direkt an den Status des Kunstschaffenden gekoppelt – ohne zersplitterte Vereinsbarrieren. Die Kammer bietet professionelle Rechtsvertretung und soziale Hilfsfonds aus einer Hand. Für darstellende Künstler fängt das staatliche System Intermittent du spectacle sogar die einkommenslosen Zeiten zwischen Projekten (wie Drehtagen oder Theaterproben) finanziell so ab, dass eine kontinuierliche Existenz überhaupt erst möglich wird.
Das bedingungslose Infrastruktur-Modell (Schottland):
Über die staatliche Struktur Creative Scotland wird der Spieß radikal umgedreht: Weg von der Bittstellerei, hin zur direkten Finanzierung von Lebens- und Arbeitszeit. Freie Künstler aller Sparten können dort direkt Budgets beantragen, die explizit dafür da sind, die eigene Recherche und Entwicklung zu bezahlen. Es muss am Ende kein kommerziell verwertbares Produkt entstehen. Der Staat erkennt an, dass das künstlerische Schaffen an sich bereits die gesellschaftliche Leistung ist, die honoriert werden muss.
Das schwedische Allianz-Modell (Die staatliche Brücken-Anstellung):
Schweden bekämpft das Prekaritätsrisiko mit einer genialen Schöpfung: den sogenannten Künstler-Allianzen (Teateralliansen, Dansalliansen, Musikalliansen). Das Prinzip zieht der bürokratischen Willkür komplett den Boden unter den Füßen: Sobald freischaffende Künstler nachweisen können, dass sie in den letzten Jahren eine bestimmte Anzahl an Tagen regulär auf dem Markt gearbeitet haben, werden sie vom Land Schweden angestellt.
In den Zeiten, in denen sie ein Engagement (z. B. eine Theaterproduktion oder eine Konzerttournee) haben, ruht der staatliche Vertrag, und sie werden ganz normal vom jeweiligen Veranstalter bezahlt.
Sobald dieses Projekt jedoch endet, fallen sie nicht in das bodenlose Loch der Arbeitslosigkeit oder müssen fünf neue Vereinsanträge stellen. Sie kehren automatisch in ihre feste Anstellung bei der Allianz zurück.
Das Land zahlt ihnen für diese vertragsfreie Zeit ein vollwertiges Grundgehalt – inklusive vollem Kündigungsschutz, Krankengeld, Urlaubsanspruch und betrieblicher Altersvorsorge. Der Staat fungiert hier schlicht als verlässlicher Arbeitgeber, der die natürlichen, kurzen Lücken im kreativen Lebenslauf überbrückt, anstatt den Künstler als permanenten Bittsteller zu demütigen.
Wenn man den Blick noch weiter über Europa schweift, gibt es eine Handvoll weiterer Vorzeigemodelle, die das prekäre Dasein von Kunstschaffenden nicht über Dutzende Vereinsbeiträge verwalten, sondern das Problem der unregelmäßigen Einkommen und der sozialen Sicherheit auf innovative Weise an der Wurzel packen.
Hier sind vier weitere, international oft als Benchmark genannte Modelle:
Das belgische Statutsmodell („Zertifikat für Kunstschaffen“):
Belgien hat sein Sozialsystem grundlegend reformiert. Statt Künstler in das starre Raster von klassischen Selbstständigen zu pressen, stellt eine zentrale staatliche Kommission (die Kommission für Kunstschaffen) ein offizielles Kunst-Zertifikat aus. Dieses Zertifikat ist der Generalschlüssel: Erhebt ein Künstler damit Anspruch auf Arbeitslosengeld, gelten für ihn komplett andere Regeln als für normale Angestellte. Die sonst übliche, kontinuierliche Pflicht zur Arbeitssuche entfällt in den Phasen zwischen zwei Projekten. Der Staat erkennt an, dass das „Nicht-Essen“ zwischen zwei Ausstellungen oder Auftritten Teil der Recherche ist. Zudem schützt dieses Modell Künstler davor, ihre erworbenen Arbeitslosenansprüche zu verlieren, wenn sie unregelmäßige Honorare einnehmen.
Die staatliche Künstlerpension (Finnland):
Finnland löst das Problem der Altersarmut in der freien Kunstszene – einem Sektor, in dem IGs meist komplett machtlos sind – über ein staatlich garantiertes Rentensystem. Das finnische Bildungs- und Kulturministerium vergibt jährlich spezielle, steuerfreie Künstlerpensionen (bis zu ca. 1.620 € monatlich) an Kunstschaffende, die das 60. Lebensjahr vollendet haben. Diese Pension wird auf Basis der Lebensleistung vergeben und sichert freie Künstler im Alter unabhängig davon ab, wie zersplittert oder gering ihre Einzahlungen in die reguläre Pensionskasse während ihrer aktiven Laufbahn waren.
Das Modell der „Kreativen Auszeit“ (Litauen):
Ein hochgradig pragmatischer Ansatz für Phasen, in denen Aufträge wegbrechen oder Projekte scheitern. Litauen hat das sogenannte Creative Downtime Payment verankert. Wenn ein professioneller Künstler (der in einem zentralen staatlichen Register erfasst ist) nachweislich eine kreative Zwangspause einlegen muss – sei es durch mangelnde Buchungen oder zur Regeneration für ein neues Großprojekt –, springt der Staat ein. Er zahlt unbürokratisch für bis zu drei Monate ein Überbrückungsgeld von rund 1.040 € pro Monat, um die Existenz zu sichern, ohne dass der Künstler Sozialhilfe beantragen oder ein Gewerbe abmelden muss.
Das progressive Beitragsmodell für Geringverdiener (Spanien):
Spanien reformierte das System für Solo-Selbstständige im Kulturbereich radikal an der Beitragsfront. Da reguläre Pflichtversicherungen einkommensunabhängige Mindestbeiträge verlangen (was Künstler bei schlechter Auftragslage ruiniert), hat Spanien eine Sonderregelung für Künstler mit geringem Einkommen (unter 3.000 € im Jahr) eingeführt. Ihre Sozialversicherungsbeiträge werden massiv gesetzlich gedeckelt und subventioniert. Dadurch bleibt man voll kranken- und pensionsversichert, ohne dass die monatlichen Fixkosten die Existenz auffressen.
Ob Belgien, Finnland, Litauen oder Spanien: All diese Staaten haben verstanden, dass die Absicherung von Künstlern Sache des Sozial- und Arbeitsrechts ist und nicht an die bürokratischen Hürden von privaten Kulturvereinen und IGs ausgelagert werden darf. Sie schaffen gesetzliche Rahmenbedingungen, die die atypische Natur künstlerischer Arbeit als Normalität anerkennen.
Gegenüber diesen Systemen wird das grundlegende Problem unserer heimischen Struktur schmerzhaft offensichtlich: Während andere Nationen besser funktionierende soziale Netze spannen und die künstlerische Arbeitszeit direkt subventionieren, bleibt man hierzulande darauf angewiesen, wertvolle Energie in die Selbsterhaltung einer zersplitterten, kontrollwütigen Vereinslandschaft zu stecken, um am Ende des Tages doch völlig schutzlos dazustehen.
🎬 TiK "Theater im Kopfbau" Dornbirn, am 16. Juli 2026
🔎 VN - Filmkritik von THS, 21. Juli 2026
Passend zum Film ist eine limitierte Edition von Siebdrucken erschienen. Die Arbeiten im Format 50 × 50 cm zeigen ausgewählte Filmstills, dem stillen Spiel der Wahrnehmung gewidmet.
Ergänzt wird die Veranstaltung durch eine moderierte Gesprächsrunde zu Themen des Films.
Das Format schafft eine zweite Öffentlichkeit. Wenn Probleme innerhalb eines Systems benannt, in Papieren festgehalten und anschließend lediglich abgelegt werden, stellt sich vielmehr die Frage, was daraus für die öffentliche Diskussion folgt.
Kulturpolitik wird nicht nur in Sitzungen, Richtlinien und Förderentscheidungen sichtbar. Sie wird auch in den Erfahrungen jener sichtbar, die unter diesen Bedingungen arbeiten und leben.
Die Filme eröffnen Perspektiven aus der Realität. Daraus kann eine öffentliche Gegenlesung entstehen – nicht als abschließendes Urteil, sondern als Möglichkeit, unterschiedliche Erfahrungen und Wahrnehmungen sichtbar zu machen.
Bereits bei der Generalprobe entstand bei einzelnen Anwesenden der Eindruck, dass dargestellte Situationen sehr konkrete Parallelen zu eigenen Erfahrungen aus dem Kunst- und Kulturbereich aufweisen. In Gesprächen wurde sinngemäß die Frage aufgeworfen, ob solche Erfahrungen tatsächlich nur Einzelfälle darstellen oder ob dahinter möglicherweise breitere Wahrnehmungen stehen.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass manche Menschen offenbar zurückhaltend damit umgehen, ihre persönlichen Erfahrungen öffentlich zu schildern. In diesem Zusammenhang kam auch die Frage auf, ob die Abhängigkeit von Förderentscheidungen dazu führen kann, dass Kritik oder Widerspruch nicht ohne Weiteres öffentlich geäußert werden.
Dabei ging es ausdrücklich nicht um konkrete Vorwürfe gegenüber einzelnen Personen. Im Raum stand vielmehr die grundsätzliche Frage, wie frei eine öffentliche Debatte über ein Fördersystem sein kann, wenn die daran Beteiligten zugleich auf dieses System angewiesen sind.
Der Film wurde überarbeitet und erhält somit ein komplett anderes Ende.
Auch im Umfeld der Premiere wurde über Erfahrungen und Wahrnehmungen im Kulturbereich gesprochen. Einzelne Gesprächsteilnehmende beschrieben ihre Bestürzung darüber, wie sie die Situation von Künstlerinnen und Künstlern im Land wahrnehmen. Andere Beiträge stellten die Frage, ob die bestehenden Strukturen ausreichend Raum für unterschiedliche Positionen, Kritik und Veränderung bieten.
Dabei wurde zugleich betont, dass Visionen und eigenständige Positionen für eine lebendige Kulturlandschaft unverzichtbar sind. Als historische Beispiele wurden Persönlichkeiten wie Guntram Lins und Franz Michael Felder genannt, die mit ihren Visionen gesellschaftliche Entwicklungen im Land angestoßen haben.
In der Diskussion wurde außerdem die Frage aufgeworfen, wie demokratisch und vielfältig die Meinungsbildung innerhalb der Künstlerschaft selbst funktioniert. Dabei ging es weniger um einzelne Personen als um die grundsätzliche Frage, ob unterschiedliche Positionen ausreichend nebeneinander bestehen können.
Ein Zwischenruf brachte das Thema Konkurrenz und Neid im kulturellen Umfeld zur Sprache. Die anschließende Reaktion im Publikum zeigte, dass dieses Thema bei mehreren Anwesenden Resonanz fand. Daraus entwickelte sich die weiterführende Frage, ob gegenseitige Konkurrenz unter Kunstschaffenden möglicherweise ebenfalls Einfluss darauf hat, wie offen über Förderstrukturen, Sozialversicherung, Altersvorsorge und deren Auswirkungen gesprochen wird - weshalb Kunstschaffende sich nicht organisieren? Oft genannt - aber eine gesetzliche Berufsvertretung existiert bedauerlicherweise nicht!
Mehrfach wurde die Wahrnehmung angesprochen, dass Förderentscheidungen von außen häufig als wenig transparent erlebt werden. Dabei wurden unterschiedliche Einschätzungen darüber geäußert, wie Entscheidungen innerhalb der bestehenden Strukturen zustande kommen. Diese Beiträge wurden als persönliche Wahrnehmungen und Meinungen geäußert und stellen keine Feststellung über das tatsächliche Entscheidungsverfahren dar.
Ein weiterer Diskussionsbeitrag richtete den Blick auf das Verhältnis zwischen Verwaltung, Kulturinstitutionen, Politik und den Kunstschaffenden selbst. Dabei wurde sinngemäß darauf hingewiesen, dass viele Arbeitsbereiche innerhalb der Kultur von der Existenz einer aktiven Kunst- und Kulturszene abhängen. Daraus entstand die grundsätzliche Überlegung, Kultur nicht ausschließlich als Verwaltungs- oder Förderaufgabe zu betrachten, sondern als Kreislauf gegenseitiger Abhängigkeiten und Leistungen.
Auch die Frage nach den gesellschaftlichen Veränderungen wurde angesprochen. Dabei wurde darauf verwiesen, dass nicht nur der Kunstbereich, sondern auch andere gesellschaftliche Bereiche – etwa Bildung, Betreuung und Ehrenamt – vor Veränderungen und neuen Herausforderungen stehen.
Ein weiterer Gedanke betraf den Umgang mit der eigenen Kunstproduktion im Land. Es wurde die Ansicht geäußert, dass Vorarlberg stärker auf seine Künstlerinnen und Künstler stolz sein und deren Arbeiten auch sichtbar machen sollte. In diesem Zusammenhang wurde kritisch gefragt, ob die langfristige Sicherung und Archivierung von Kunst allein ausreicht oder ob Kunst nicht vor allem auch öffentlich gezeigt und zugänglich gemacht werden sollte. Daraus ergab sich die grundsätzliche Frage nach der öffentlichen Verantwortung für Kunst und Kultur und danach, welche Aufgaben dauerhaft von privaten Initiativen übernommen werden können und welche nicht.
Die Studie der FH Vorarlberg wurde in der Diskussion als wichtige faktenbasierte Grundlage für die Auseinandersetzung mit der sozialen Situation von Kunstschaffenden wahrgenommen. Gleichzeitig wurden Einschätzungen eines Insiders geäußert, wonach sich die wirtschaftliche Situation seit Erhebungszeitpunkt weiter verschärft haben könnte. Einzelne Diskussionsbeiträge gingen deshalb davon aus, dass inzwischen möglicherweise ein noch größerer Anteil der Kunstschaffenden von Armutsgefährdung betroffen sein könnte. Diese Einschätzungen wurden ausdrücklich als persönliche Einschätzungen und nicht als neue statistische Erhebung verstanden.
Von meiner Seite wurde in diesem Zusammenhang der Gedanke eines Grundeinkommens eingebracht – allerdings nicht notwendigerweise nach dem Isländischen Pilotprojekts, sondern als breiter angelegte soziale Absicherung. Kann ein entsprechendes Modell auf die Größenordnung und Besonderheiten Vorarlbergs heruntergebrochen und zumindest einmal rechnerisch untersucht werden? Als möglicher Ansatz habe ich eine Form von „Teilhabesicherung“ genannt, die über den Bereich der Kunst hinaus beispielsweise ehrenamtliches Engagement berücksichtigen könnte.
Auch der Film „C.O.S.“ selbst war Gegenstand der Diskussion. Dabei wurde unter anderem die Frage gestellt, ob die teilweise harte Sprache und einzelne explizite Szenen für die Wirkung des Films notwendig seien oder ob dadurch bestimmte Aspekte der Realität beziehungsweise der thematischen Dringlichkeit stärker oder schwächer wahrgenommen werden.
Für die Produktion selbst war mir in diesem Zusammenhang wichtig festzuhalten, dass „C.O.S.“ keine KI-generierte Filmproduktion ist. Der Film wurde über einen Zeitraum von rund 3.000 Stunden als Soloprojekt manuell am Computer erstellt. Gerade diese aufwendige individuelle Arbeit ist Teil des künstlerischen Konzepts und der Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten digitaler Kunstproduktion als soziales Projekt - als Einzelkünstler - ohne Landes - ohne Bundesförderung!
Drei unterstützenden Institutionen habe ich ausdrücklich gedankt.
Die Beiträge aus Generalprobe und Premiere verstehen sich dabei nicht als Beweisführung gegen einzelne Personen oder Institutionen. Es ist meine subjektive Zusammenfassung eines lebhaften Austausches und zeigt vielmehr, welche Fragen, Erfahrungen, Wahrnehmungen und unterschiedlichen Meinungen im Umfeld des Films sichtbar und diskutierbar wurden.
Gerade darin liegt die Funktion einer solchen zweiten Öffentlichkeit: Nicht eine neue Wahrheit an die Stelle der bestehenden zu setzen, sondern unterschiedliche Perspektiven überhaupt erst miteinander ins Gespräch zu bringen.
Ich lege hier den Finger exakt in die wohl tiefste Wunde der Vorarlberger Kulturpolitik und treffe im Kern ein strukturelles Grundproblem, das von vielen Betroffenen und Kritikern geteilt wird: Die Vermischung von Kulturorganisationen und Einzelschicksalen.
Betrachtet man die aktuelle Dynamik zwischen dem Land, der IG Kultur und der FHV-Studie, offenbaren sich Systemfehler:
1. Das strukturelle Ignorieren der Einzelschicksale
2. Das Dilemma der IG Kultur als „zahme“ Berufsvertretung
3. Warum gibt es aber keine echte Interessenvertretung für freie Kunst?
Die Prüfung der Kulturabteilung des Landes Vorarlberg ergab u.a. (auf den Seiten 27 bis 29), dass den Empfehlungen entsprochen werden soll.
19. Juli 2026
„Bregenz liegt am Meer“
Erika Kronabitter:
Lyrikerin, Romanautorin und Theatermacherin, Präsidentin von Literatur. Zahlreiche Veröffentlichungen und Auszeichnungen, zuletzt „Delfine vor Venedig“ (2024). Initiatorin und Mitgestalterin vieler Literaturprojekte in Vorarlberg und darüber hinaus.
SEE-ATELIER, Kirchstraße 22, Bregenz.
Permanente Ausstellung im Gemeinschaftsatelier, Kirchstraße 22, A-6900 Bregenz.
Besuche und Termine nach Vereinbarung.
Nicht das Medium bestimmt meine Arbeit, sondern die Fragestellung. Zeichnung, Ölmalerei, Bildhauerei und digitale Animation sind für mich gleichwertige Ausdrucksformen - je nach Thema.
Im Zentrum steht der Mensch – seine Gestalt, seine Wahrnehmung und seine Beziehung zur gesellschaftlichen Wirklichkeit. Ausgehend von einer naturalistisch geprägten Bildsprache entwickelte sich meine Arbeit zu einer künstlerischen Praxis, die dokumentiert, hinterfragt und Stellung bezieht.
Kunst verstehe ich als Handwerk, Forschung und gesellschaftliche Intervention zugleich. Sie soll nicht nur Wirklichkeit abbilden, sondern Denkräume öffnen und im besten Fall Veränderungen anstoßen.
No Code Website Builder